Oder wie bringe ich meinem Kind bei, dass Geometrie Spaß machen kann?

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Vor ein paar Jahren hatte ich zu Hause das Phänomen, dass meine Tochter zwar Mathe nicht doof fand,  Geometrie aber als absolut überflüssig hinstellte. Egal was ich ihr sagte, es half nichts: „Geometrie braucht kein Mensch!“ bekam ich immer wieder zu hören.

Also stand ich vor der Frage: Wie bringe ich meinem Kind bei, dass Geometrie Spaß machen kann und man es im normalen Leben sogar gebraucht?

Ich ließ sie erst einmal in Ruhe und kramte folgende Utensilien zusammen:

1 Blatt Papier, 1 Rechner, 1 Zirkel, 1 Lineal, einen großen Bastelkarton, 1 Schere, und 2 verschiedene Stoffe, 1 Bleistift und einen Filzstift, die Schultasche meiner Tochter und meine Nähmaschine.

So ausgerüstet habe ich mich dann im Garten mit meiner Tochter an den Tisch gesetzt und habe ihr (zugegeben: unter Protest) klargemacht, sie müsse jetzt doch Geometrie lernen.

Folgende Unterhaltung fand in etwa statt:

„Jetzt zeige ich dir ganz einfach, wofür du Geometrie brauchst.“ „Oooch Mama, Schule ist aus!!!“

„Sag mir mal, was du so immer mit in die Schule nimmst.“, forderte ich sie auf und bekam zur Antwort: “…1 Ordner, ein paar Hefte, Federmappe, Rechner, etwa 3-4 Bücher – und was ich sonst noch so brauche. Aber was hat das mit Mathe zu tun?“

„Das zeige ich dir, wenn du die Sachen, die du gerade aufgezählt hast, hier auf den Tisch auf einen Haufen legst.“

Gesagt getan. Da lagen jetzt die ganzen Sachen auf einem Haufen und ich ließ mein Töchterchen ausmessen, wie viel Fläche die Sachen im optimalen Fall auf dem Tisch benötigten und welche Höhe dieser Schulsachenberg hatte. Dabei kam heraus, in einem Kreis von etwa 30cm ließen sich alle Schulsachen nebeneinander platzieren, bei einer Höhe von 32cm (das war der Ordner).

Ich ließ sie die Sachen wieder wegräumen und zeichnete in der Zeit schon einmal einen Kreis auf das Blatt Papier. Jetzt fragte ich sie nach der Formel um den Umfang des Kreises zu berechnen. D x π (Durchmesser x 3,14) „Gut“ sagte ich, „dann rechne mal den Umfang aus“ Diese Rechnung mit Ergebnis schrieb sie auf die Rückseite des Blattes. Nun musste sie neben den Kreis ein Rechteck mit der Größe des halben Umfangs x der Höhe aufzeichnen. „Mama was soll das, und warum muss ich das jetzt machen? Willst du nicht nähen? Ich hab keinen Bock  Mathe zu machen!!!!“ „ Nein mein Kind, ich will nicht nähen, aber du.“ Da saß sie nun und verstand die Welt nicht mehr. Erst erzählte ich ihr, wir machen Mathe und jetzt sagte ich, sie soll nähen…  „Weißt du, ich habe mir gedacht, du brauchst mal eine neue Tasche und die wirst du dir gleich nähen. Und damit du mir nachher nicht wieder erzählst, es passt nicht alles rein, habe ich dich das ausmessen lassen. Was wir gerade gemacht haben, ist der Anfang eines Schnittmusters. – Hast du Lust?“

Sie hatte – und so kam dann dieses Schnittmuster zustande. Mit einem Klick darauf könnt ihr es als .pdf-Datei herunterladen und ausdrucken.

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Wir haben noch die Nahtzugaben 1 cm dazu gezeichnet, die Breite der Taschenbügel auf 6 cm festgelegt (Zeichnung inkl. Nahtzugabe) und dann die Maße auf den Bastelkarton übertragen. Diese Teile haben wir dann ausgeschnitten und fertig war unser Schablone.

Mit Hilfe des Filzschreibers (natürlich geht auch Schneiderkreide) wurden die einzelnen Schnittvorlagen auf die linke Seite der Stoffe übertragen, dann ausgeschnitten und zu guter Letzt mit der Maschine zusammen genäht. Die beiden Henkel wurden auf die gewünschte Länge zusammengeknotet – fertig.zandt_Mathetasche_02

Mittlerweile besitzen wir mehrere Taschen in verschiedenen Größen, denn meine Jüngste wollte natürlich auch eine, aber die haben wir dann ihrer Größe angepasst.zandt_Mathetasche_04

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Meine Töchter sagen auch nicht mehr, das eine oder andere Schulfach braucht man nicht, sondern kommen mit der Frage: „Mama wie geht das? Kannst du mir das mal erklären?“ Das tue ich natürlich gerne, aber es ist schon eine Herausforderung, für die unterschiedlichen Probleme immer wieder neue Basteleien oder „kreative Erklärungen“ zu finden. Oft gelingt mir das auch nicht.

Vielleicht hat ja einer von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht. Wenn ja, schreibt sie uns.

Eure Testerschwester Anne

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Tipps: Näht immer ein Futter ein, denn dann verschwinden alle Stoffränder zwischen den Stoffen und die Tasche wird stabiler und sieht ordentlicher aus. Verbindungsnähte zu den Taschenbügeln könnt ihr im Zickzack oder mit einer Doppelnaht versehen, das sieht  gut aus und macht das Ganze reißfester.

Für die Außentasche nehmen wir Jeans- oder fester gewebten Deko-Stoff und für die Innentasche (einschließlich Bügel) einen dehnbaren weicheren Stoff wie Jersey. Aber das kann jeder halten, wie er es mag und was der Stoffvorrat so hergibt. Alte Tischdecken, Jeans … alles lässt sich verarbeiten. Bestempelt, schabloniert und dekoriert eure Stoffe wie immer ihr wollt.