Letzte Woche hat Bärbel euch hier erklärt, wie professionelle Stempel hergestellt werden. Mit ein wenig Fantasie und Freude am ausprobieren kann man darüber hinaus auch alle möglichen Materialien des Alltags, von Luftpolsterfolie über Schuhsohlen bis Gummibändern, zum stempeln verwenden. Aber was ist, wenn man Stempel selbst schnitzen möchte? Wenn man sich bestimmte Motive wünscht oder eigene Designs oder Ideen im Kopf hat?

Hierzu gibt es hilfreiche Bücher, eines davon habe ich auf Herz und Nieren getestet. Es heißt „StempelGlück“ von Geninne D. Zlatkis und ist in der Topp-Reihe beim frechverlag erschienen.

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Gennine D. Zlatkis: StempelGlück :Kunstvolle Stempel selbst gemacht zum Gestalten von Karten und Stoffen. Hardcover, 132 Seiten, 21,5 x 25,4 cm . TOPP 5895. ISBN 9783772458958

Das Buch

Inhaltsangabe und Angaben des Verlags:

>>Die Leidenschaft der bekannten Illustratorin Geninne D. Zlatkis für die Natur und für Farben prägt ihre einfache, aber elegante Kunst und die handgeschnitzten Stempel, die viele ihrer Designs zur Schau stellen. Dieses wunderschön illustrierte, mit Schrittfotos versehene Buch umfasst alle Grundlagen für das Anfertigen handgeschnitzter Stempel, das Auftragen der Farbe, das Zusammenstellen von Motiven und vieles mehr.

Buch inklusive:

• 20 kunstvolle Projekte (darunter Tragetasche, Tagebuch, Kissen, Geschenkanhänger, Briefpapier, Briefumschläge, Wanddeko, etc.)
• anschauliche Anleitungen für das Stempeln auf Papier, Stoff, Ton und anderen Materialien
• 50 einzigartigen Motiven von Geninne Zlatkis.<<

Mit seinem Hardcover, durch seine Gestaltung, das Layout sowie die vielen schönen und hilfreichen Fotos, macht das Buch einen  ansprechenden und erfrischend modernen Eindruck. Nach einer kurzen Einleitung werden die Grundlagen zum selber schnitzen erklärt, dabei geht die Autorin auf benötigte Werkzeuge und Materialien genauso ein, wie auf Stempeltechniken, Design und Inspirationsquellen. Diese ersten 30 gut bebilderten Seiten sollte man wirklich komplett lesen, denn sie bieten das Rüstzeug, mit dem man sofort loslegen kann, wenn man schon die benötigten Materialien zur Hand hat. Auf diese werde ich im Verlauf des Artikels noch weiter eingehen.

Im zweiten Teil regnet es auf über 60 Seiten Projektideen, Anleitungen und Inspirationen. Genine D. Zlatkis legt dabei eine große Bandbreite zur Verwendung von Stempeln offen, sie zeigt das arbeiten mit Papier genauso wie auf Stoff und anderen Materialien wie Stein, Modelliermasse oder Dekorationsgegenstände. Die Botschaft hierbei lautet ganz klar: es gibt nichts, was man nicht bestempeln kann. Zusätzlich geht die Autorin auch auf die Themen nähen und sticken ein, soweit sie für die vorgestellten Projekte verwendet werden.

Die Anleitungen selbst sind übersichtlich und die Texte eher kurz gehalten. Zu jedem Projekt gibt es eine ausführliche Materialliste und Schritt-für-Schritt Erläuterungen. Dabei finden sich auch immer wieder allgemein hilfreiche und praktische Tipps.

Der letzte Teil bietet die Vorlagen zu den zuvor vorgestellten Projekten und weitere Motive.

Alles in allem eignet sich das Buch sowohl für Einsteiger als auch versierte Stempler.

Das Material

Es ist nicht viel, was man zum Stempel schnitzen benötigt. Der Empfehlung der Autorin entsprechend, habe ich mir ein Set mit Linolschnitz-Werkzeug angeschafft. Diese Sets, meines ist die fünf Schneidewerkzeuge enthaltende Linolschnitt-Garnitur der Firma ABIG, bekommt man schon für unter 10€ im Fach- und Onlinehandel.

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Ein wenig kniffeliger gestaltete sich die Suche nach den Schnitzblöcken. Zwar kann man auch auf dicke Radiergummis, z.B. aus dem örtlichen Schreibwarenladen, zurückgreifen, aber ich wollte sofort in die Vollen gehen und direkt mit den von der Autorin erwähnten Stempelgummis in Blöcken arbeiten. Im Buch selbst werden weder konkrete Bezugsquellen noch Firmen genannt. Auf dem Blog der Autorin konnte ich ausmachen, welche Gummis sie verwendet, diese werden aber nicht mehr hergestellt oder sind für uns nur aus Übersee zu bestellen. Aber dann bin ich auch hierzulande fündig geworden und siehe da, die Blöcke sind auch noch sehr preiswert. Am Ende des Artikels findet ihr einige online-Bezugsquellen dazu, vielleicht werdet ihr aber auch in eurem örtlichen Geschäft für Künstlerbedarf fündig.

Für die meisten Projekte im Buch empfiehlt die Autorin die Verwendung von Pigment-Stempelkissen, für das drucken auf Stoff für Textilien bestimmte Stempelkissen. Zu diesem Thema fände ich paar konkretere Angaben passend, denn vor allem Einsteiger wissen mit den Bezeichnungen nicht unbedingt sofort etwas anzufangen und müssen sich somit anderweitig, im Fachhandel oder über Internet-Recherche, schlau machen. Wie auch sonst im Buch wird auf die Nennung konkreter Quellen oder Firmen verzichtet. Daher findet ihr auch dazu eine kleine Übersicht am Ende dieses Artikels.

Aber keine Panik, bei meinen Tests hat sich herausgestellt, dass diese Stempel auch mit wasserbasierten Stempelkissen wunderbare Abdrücke erzeugen.

Der Praxistest

Mein erster selbst geschnitzter Stempel ist ein Kleeblatt in negativ und positiv nach eigenem Entwurf, wobei ich mich Schritt für Schritt an die allgemeinen Anweisungen im Buch gehalten habe.linnek_schnitzen_Collage01

Dann geht es los mit der Schnitzerei. Man benötigt keine großen Kräfte, die Schnitzmesser schneiden durch das weiße Gummi wie durch einen Butterblock, das Scheidewerkzeug liegt sicher und wie ein Stift in der Hand.

linnek_schnitzen_Collage1 linnek_schnitzen_Collage2Für die Stempelabdrücke habe ich Memento-Pigmentstempelkissen benutzt. Das erste Kleeblatt ist ein negativ-Druck, bei dem die Außenlinien nicht drucken. Das nächste Kleeblatt ist ein positiv-Stempel, bei dem nur die Außenlinien drucken.

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Nach diesen ersten Versuchen habe ich mich mit dem Fisch dann an eine Vorlage aus dem Buch gewagt. Dieser ging erstaunlich schnell und einfach umzusetzen, sodass ich noch Blubberblasen und eine Wasserpflanze ergänzt habe. Dieses Mal sind die Stempelabdrücke mit wasserbasierten Tusche-Stempelkissen entstanden.

linnek_schnitzen_collage4Man gewöhnt sich schnell an die Handhabung der Materialien und wird mit jedem Versuch besser. Waren die Kleeblätter noch ziemlich grob, so konnte ich die Wasserpflanze schon recht filigran gestalten.

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Fazit: Das Buch „StempelGlück“ hat mir tatsächlich eine neue Welt eröffnet. Das Thema ist spannend und vielfältig. An das selber schnitzen hatte ich schon oft gedacht, aber ohne diese Einführung hätte ich das Vorhaben bestimmt noch ewig vor mir hergeschoben und dann garantiert viele Fehler gemacht. Sowohl die Tipps, als auch die Vorlagen, Informationen und Inspirationen von Gennine D. Zlatkis gefallen mir sehr gut.

Falls es euch auch erwischt hat, lasst es uns doch wissen. Wir freuen uns über eure Kommentare oder Bilder hier, per Mail oder auf unserer KT-Facebookseite.

Hier kommen noch die versprochenen Zusatzinfos zu Firmen und Bezugsquellen.

Liebe Grüße Heike

Stempelblöcke: hier findet ihr einige Bezugsquellen für die weißen, weichen Schnitzblöcke der Firma FACTIS:

Stempelkissen: hier habe ich euch ein paar namentliche Beispiele für die verschiedenen Arten von Stempelkissen zusammengestellt. Wer inhaltlich in die Materie „Stempelkissen“ einsteigen möchte, dem kann ich diese Übersicht auf den Seiten der Stamping-Fairies empfehlen oder er wartet einfach, denn demnächst wird Testerschwester Bärbel das Thema hier behandeln.

  • Pigmentstempelkissen: Color Box, Memento, Stampin Up! Craft,
  • Wasserbasierte = Tusche Stempelkissen (Dye Ink): Distress, Stampin Up!
  • Stempelkissen für Textil: Memento Luxe

Diesen Artikel habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Ich habe weder kostenlose Produktproben erhalten noch sonstige Vorteile aus meinem Bericht gezogen. Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt nur meine persönliche Meinung und Erfahrungen wieder.