Er begegnet uns allerorten und ist meistens nicht gerne gesehen: Rost. Bisher fand er höchstens als Kortenstahl unter Bildhauern und Architekten seine Liebhaber. Doch die Zeiten ändern sich, Rosteffekte sind bei den kreativen Bastlern angekommen, Rost ist IN. In zahlreichen Einkaufskörben der Creativa-Messe fand sich ein Produkt zur Erzeugung dieses Effektes wieder. Eines davon, Original Rust, stelle ich euch hier vor.

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Allgemein:

Original Rust des Herstellers 4yourArt ist ein in Deutschland hergestelltes Produkt. Die 100g-Dose hat mich auf der Messe 12,90€ gekostet.

Unter dem Drehdeckel wird ein Beipackzettel mitgeliefert. Darauf stehen eine Produktbeschreibung, der Einsatzbereich, die Produktanwendung, was sonst noch zu beachten ist und ein Link zu Anwendungsbeispielen. Der geneigte Künstler wird also nicht alleine gelassen, denkt man. Während der Beipackzettel willkommene Informationen bietet, erfährt man unter der genannten Internetadresse bisher lediglich zwei Infos: die Website ist noch im Entstehen und man kann in Mailkontakt treten (Abruf am 25.03.14, 14:00Uhr).

Ein Zwischendeckel schützt das Produkt vor vorzeitiger Austrocknung und den Anwender vor Unfällen beim Öffnen.

Das bräunlich-rote Granulat ist verschieden groß gekörnt und weitestgehend geruchsneutral. Was nicht riecht, kann auch nicht stinken.

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Für chemisch Interessierte sei noch angemerkt, laut Beipackzettel ist “Original Rust (…) eine Neuentwicklung zur sofortigen Erzeugung eines echten Rosteffekts. Es handelt sich hierbei um ein Produkt auf Eisenoxyd/Eisenhydroxyd Basis mit einer speziellen Gitterstruktur.

Anwendung:

Dazu gibt der Beipackzettel folgende Informationen: “Das Feuchtgranulat wird in einem Arbeitsschritt auf dem zu rostenden Untergrund aufgerieben. Hierbei wird der Rosteffekt sofort sichtbar. Sie können das Granulat mit einem Feuchttuch oder den Fingern auftragen. Sollte das Granulat zu trocken geworden sein, sprühen sie es einfach mit etwas Leitungswasser ein.

Mein Granulat kam mir von Beginn an etwas trocken vor, trotzdem habe ich es zunächst einmal im Lieferzustand ausprobiert und dann unter Zuhilfenahme eines Wassersprühers weiter befeuchtet. Außerdem stellte sich mir die Frage, ob für das Auftragen ohne Finger ein selbst angefeuchtetes Tuch oder ein fertig gekauftes Feuchttuch gemeint ist und ob das einen Unterschied macht. Soviel sei vorweggenommen: bei mir hat beides funktioniert. Ebenso der Auftrag mit den Fingern, was von mir jedoch nicht favorisiert wird, doch dazu komme ich gleich noch einmal.

Test:

Es handelte sich um meine allererste Erfahrung mit einem Produkt für Rosteffekte.

Laut Hersteller ist das Produkt “auf Metall, Papier, Holz, Strukturpaste, Stoff und vielem mehr“ anwendbar. Getestet wurde auf folgenden Materialien:

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  • Zwei Holzsterne
  • Ein Stehrümchen-Osterhase aus unbekanntem, tonähnlichen Material
  • Zwei mit Archival Ink auf glatten, weißen, 218g/m² Farbkarton gestempelte und ausgeschnittene Anker
  • Zwei große Unterlegscheiben, vermutlich aus Edelstahl
  • Einem aus dem dicken Papier einer Verpackung ausgestanzten Schmetterling (nicht auf dem Foto)

Was man aus dem Beipackzettel nicht erfährt: der Untergrund sollte mit Gesso oder Acylfarbe vorbereitet werden. So wurde es mir auf der Messe gesagt und gezeigt. Daher habe ich einen Teil der Materialien mit weißem Gesso-Malgrund von VBS vorbehandelt:

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Es empfiehlt sich, eine unempfindliche Unterlage zu benutzen. Außerdem ist laut Beipackzettel “Zu beachten: Da Original Rust einen echten Rosteffekt erzeugt, schützen Sie bitte ihre Kleidung, Teppichboden oder sonstige Gegenstände vor direktem Kontakt.“ Ein weiser Rat.

Also los, auf alle Materialien wurde eine Schicht aufgetragen:

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Seit jeher habe ich eine Abneigung gegen Krümel, wieso musste ich unbedingt dieses Produkt haben? Das Foto dokumentiert auch meinen Finger, denn in der Produktanwendung steht “Ihre Hände lassen sich einfach mit Seife wieder reinigen“. Das stimmt, aber die Färbung geht nicht direkt mit ab. Allerdings sahen die Finger direkt nach dem Rosten aus, als würde ich ohne Filter kettenrauchen, diese Färbung wirkte erschreckend echt und könnte vielleicht einmal als Karnevalscherz eingesetzt werden.

Ergebnisse:

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Hasi war zur Hälfte mit Gesso grundiert, wobei Original Rust auf dem vorbehandelten Teil einen etwas besseren Halt findet. Das Granulat an sich ist farblich nicht deckend, Hasis unbehandelte Hose schimmert noch immer grün durch. Die Struktur ist interessant, aber nach einmaliger Anwendung und ohne Weiterbehandlung ist der Rosteffekt nicht überzeugend. Zudem erkennt man genau die Wischrichtungen.

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Der linke Holzstern war grundiert, der rechte nicht. Die Ergebnisse unterscheiden sich nur in der Farbschattierung. Das Holz sieht stark gealtert, aber nicht rostig aus. Das führt zu der Überlegung, ob man diese Art der Holzalterung nicht kultivieren und gezielt nutzen kann.

 

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Auf dem rechten Schmetterlingsflügel hat sich das Papier aufgeraut, die andere Seite war grundiert und bringt ein authentisch-rostiges Ergebnis. Die aufgeraute Seite sieht für sich genommen fast genauso toll aus und würde sich für eine Weiterbehandlung empfehlen.

 

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Die linke Unterlegscheibe sah sofort um Jahre gealtert aus, ein richtig originaler, nicht deckender Rosteffekt. Das Gesso von der rechten Scheibe hat sich schnell vom glatten Untergrund abgerieben. Merke: nicht alles muss oder sollte grundiert werden!

 

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Bei einem Anker hatte ich das Papier vor dem Bestempeln mit Gesso bestrichen. Dieser war ein wenig robuster in der Verarbeitung, aber im Grunde ist der Unterschied gering. Das hierfür verwendete Papier war viel glatter und geschlossener als der Karton des Schmetterlings, vielleicht der Grund, warum es hier keine Probleme mit Papierabrieb gab.

Nach der Behandlung muss der Rost fixiert werden. Die Packungsbeilage empfiehlt “ein mattes Spray, um den Original Rosteffekt bestmöglich zu erhalten“. Ich habe mit starkem Haarspray fixiert und gut trocknen lassen, die Objekte glänzen nicht, reiben sich nicht ab und färben nicht ab.

Fazit:

Original Rust macht Spaß und kurzzeitig auch nach der Reinigung vergilbte Finger. Cleanies sollten die Finger davon lassen. Das Produkt inspiriert mich dazu, weitere Nutzungsmöglichkeiten auszuprobieren, Stoff, Glas oder andere Materialien zu benutzen oder andere Forschungen in Richtung Holzalterung zu führen. Es bietet sich an, die Objekte nach dem rosten noch weiter zu behandeln, hier können richtige Rostkünstler unter Verwendung von Gold-, Silber- oder Bronzefarben großartige Effekte erzielen. Das habe ich nicht mehr gemacht, wohl aber einen der Anker in eine Karte mit Unterwasser-Szenario eingebaut:

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Bonus:

Zum Abschluss noch eine sehr gute Nachricht, denn “Original Rust verhält sich offiziell “ökologisch unbedenklich“ was bedeutet, dass es weder der Umwelt, noch dem Anwender schadet, schön!

Eure Testerschwester Heike

Nachtrag:

Wir haben uns entschlossen, euch hier noch weiterführende Links einer echten Rost-Künstlerin zu empfehlen: Daniela Rogall. Sie teilt ihren großen Erfahrungsschatz und macht u.a. geniale Videos in deutscher Sprache, die ihr euch hier ansehen könnt. Oder schaut euch ihre Galerie hier an, und staunt, welch fantastische Ergebnisse man mit Rost erzielen kann.

Diesen Artikel habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Ich habe weder kostenlose Produktproben erhalten noch sonstige Vorteile aus meinem Bericht gezogen. Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt nur meine persönliche Meinung und Erfahrungen wider. Heike Linnek