Siegel aus echtem Siegellack sehen toll aus. Bei festlichen Gelegenheiten und Briefen, die man persönlich übergibt, gibt es kaum etwas, das mehr Eindruck schindet.
Aber sowohl der Lack, als auch das Siegelwachs, sind durch ihre Form schlecht mit der Post zu verschicken. Außerdem sind sie relativ stoß- und bruchempfindlich. Auch beim Basteln mit Kindern ist das Hantieren mit Flamme und heißen, tropfenden Massen nervenaufreibend.

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Die Lösung: falsche Siegel zum einfachen Auftragen oder Aufkleben. Mit einem wasserbasierten Wachsdesigner-Stift (hier Artidel, mittelrot), macht man einen Klecks in gewünschter Größe und Form auf eine alte Prospekthülle.
Nach dem Trocknen, das etwa 2-3 h dauert, kann man das runde Siegel abziehen und einfach mit etwas Klebstoff befestigen. Ursprünglich ist das Material zur Herstellung von Verzierwachsfolie gedacht, es ist also sehr dünn, flexibel und relativ reißfest. Wenn man die Farbe von innen nach außen in Spiralform aufträgt, hat man außerdem ein bisschen Struktur bzw. Farbunterschied drin. Die Optik kommt für mich einem echten Siegel sehr nah!
Möchte man das Siegel noch etwas aufmöbeln, so kann man vor dem Trocknen Glitter u.ä hineinstreuen, oder ein gezielt ausgesuches Stück Konfetti bzw ein hübsches Band einbetten.

Sie lassen sich gut auf Vorrat anlegen und dann einfach abheften, bis sie gebraucht werden.

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Und noch Alternativen zum Wachsdesigner, die Materialien dazu haben viele Bastler zuhause. Vielleicht liegt irgendwo ja noch ein alter Perlenmaker oder ein halb eingetrockneter Kerzenverzierstift herum. Besonders schön kommen die hellen Töne auf farbigem Untergrund heraus (siehe oben). Auch so kann man sich behelfen, selbst wenn das Ergebnis insgesamt eher dicker und etwas brüchiger wird, erzielt man eine wachsartig glänzende Oberfläche, was den  Siegelcharakter unterstreicht.

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Ich habe der Vollständigkeit halber noch eine Testreihe mit uralten Kerzenmalstiften gefahren (gold, gelb, dunkelblau von Bibou). Die trockneten unterschiedlich gut, einer erst nach einem Tag, aber bei zehn Jahre alten Materialien, kann das mal passieren. Also am besten immer einen oder zwei Prüfpunkte zum Antatschen am Rand der Prospekthülle anlegen, mit denen man dann experimentiert.

Möchte man das Ergebnis individualisieren, kann man sein Glück auch mit einem eingedrückten Siegel (oder Stempel) versuchen (siehe Goldenes Siegel mit Sonne). Hierzu eignen sich dickere Siegel am besten als Unterlage (also eher die Perlenstifte oder die Kerzenmalfarbe). Es ist allerdings etwas knifflig, den richtigen Moment abpassen, wenn das Wachs schon halb getrocknet, aber noch nicht ganz fest ist. Ist es zu weich, sieht man das Motiv nicht und es gibt eine Riesensauerei. Ist es zu fest, sieht man einfach nur das Motiv nicht. Aber auch hier gilt: probieren ist der halbe Spaß!

Material:

Wachsdesigner-Stift (hier Artidel, mittelrot) o. ä.
Kerzen-Malstift
Perlenmaker etc.
Dekokram, Glitter, Konfetti

Diesen Artikel habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Ich habe weder kostenlose Produktproben erhalten noch sonstige Vorteile aus meinem Bericht gezogen. Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt nur meine persönliche Meinung und Erfahrungen wider.

Linda Budinger