Am vergangenen Wochenende fand in Köln erneut die internationale Fachmesse h&h, Handarbeit und Hobby, statt. Testerschwestern Dagmar und Bärbel waren vor Ort, um sich über die neusten Trends und Themen im Sektor Handarbeiten zu informieren. Den Bericht schreibt für euch Bärbel.

Bevor wir euch unsere Impressionen zeigen und berichten, möchten wir euch den Imagefilm des Veranstalters empfehlen. Im Vergleich mit unseren eigenen Erlebnissen vor Ort können wir euch versichern, dass ihr in den drei Minuten des Film schon einen ersten Eindruck erhalten könnt:

Die Bilder sind von der diesjährigen Messe. Im Video konntet ihr auch einen ersten Blick auf die Modenschau ergattern. Bei dieser lebendigen Trendschau zeigen teilnehmende Aussteller, was sie sich mit ihren neusten Garnen und Stoffen haben einfallen lassen.

Ich habe die Modenschau besucht und dabei eindeutige Richtungen in Farbwahl und Stilen erkennen können. Völlig verschwunden ist das Color-Blocking, welches noch im Vorjahr in der Modenschau zu sehen war. Durch alle Abteilungen der Schau zogen sich Naturtöne wie ein roter Faden. Auch wenn die Coloration der Modelle kräftiger wurde, wirkten diese erdig und einer herbstlichen Palette entnommen. Stärkste Farbe blieb ein leuchtendes Rot neben einem gedeckten Lila. Zarte Nudetöne sah man als unbunten Gegenpol gleich bei mehreren Herstellern.

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Bei der Schau haben mich ganz besonders einige Schnitte und Gesamtkonzepte fasziniert. Bei Katia sah man am Stand die Modelle des Runways noch einmal aus der Nähe, weite Schnitt und Ponchos wurden variiert und spielerisch verfeinert:

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Mein Highlight: Wolle von Kopf bis Fuß. Was kann schöner sein als ein selbstgemachter Pullover?
Genau: Ein Set aus Pullover und Rock oder Hose:

 

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Ein weiteres Highlight der Messe gab es am Stand der Stolberger Firma Prym zu sehen. Bereits im Vorfeld der h&h hatte Prym (gesprochen „Priem“) eine Innovation für Stricknadeln angekündigt. Selbstbewusst hatte die Firma behauptet, die Stricknadel neu erfunden zu haben. Solche Worte wecken Misstrauen… wie soll man so etwas Elementares wie die Stricknadel neu erfinden?

Am völlig neu konzipierten Stand wurde mein Misstrauen schon aus der Ferne zerschmettert: Als Besucher von Messen ist man es gewöhnt, dass Firmen an einzelnen Arbeitstischen ihre Neuheiten vorführen. Einen Demotisch wie bei Prym habe ich noch nie zuvor gesehen. An einer langen „Theke“ standen Mitarbeiter in einheitlichen Outfits, und zeigten unermüdlich den interessierten Besuchern, was so neu an den Stricknadeln ist. Hinter den netten Damen und Herren ein überdimensionaler Wald aus Stricknadeln. Das Raum wirkte beinahe so, als würde der ganze Stand gleich abheben und zum Orion aufbrechen. Die Wirkung hat mich begeistert!

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich das verschmitzte Grinsen von Michael Weinreich abgelichtet habe. Als Buchautor und Garnkünstler hat er mit einem kreativen Team aus Prym-Mitarbeitern und Branchenkennern die Nadeln zum Klappern gebracht.

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Was genau ist nun so neu an den neuen Nadeln? Sie nennen sich schlicht „ergonomisch“, denn ihr Schaft hat einen dreieckigen Durchschnitt, so dass man beim Stricken die Nadel besser bewegen kann. Die Spitze ist hingegen rund und etwas größer (und entspricht der angegebenen Nadelstärke), so dass die Arbeit leichter rutscht ohne herunterzufallen. Das Ganze besteht aus einem neuartigen Kunststoff, der in Deutschland hergestellt wird. Besonders clever sind die Stopper am Ende der Nadel. Diese besitzen eine Aussparung, so dass man jede Nadel in die andere „klicken“ kann, die Arbeit ist somit gesichert und kann gefahrlos im Handarbeitskorb oder einer Tasche abgelegt werden.  Augenfälligstes Merkmal ist die neue Spitze, die auf den ersten Blick an Trommelstöcke erinnert, und ebenfalls ein besseres Arbeiten ermöglichen soll. (Bild unten)

Die Besucher konnten an kleinen Garnproben testen, wie die Nadeln in der Hand liegen und wie es sich damit stricken lässt. Der einzige Wermutstropfen: Die neuen Stricknadeln werden erst im November ausgeliefert. Aber dann werden wir für euch testen, bis die Wolle qualmt!

Ebenfalls neu sind die lang erwarteten doppelten tunesische Häkelnadeln in großen Größen, und weiteres Handarbeitszubehör aus dem Hause Prym.

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Ein farbliches Kontrastprogramm gab es bei Gütermann zu sehen. Hatte Prym einen futuristischen Look gezeigt, so kamen Freunde von Vintage hier auf ihre Kosten. Das Konzept der letzten Jahre wird damit konsequent fortgeführt, Stoffe und Accessoires im Shabby Chic Stil werden durch passende Komplettsets ergänzt, welche im Fachgeschäft den Kunden einen Hauch von englischem Lebensstil spüren lassen.

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Neben den großen Ausstellern sah man mehr und mehr kleinere Firmen aus aller Welt, die mit zum Teil ungewöhnlichen und neuen Ideen vor Ort waren. In Mützen eingebaute Kopfhörer, neue Anbieter von Schnittmustern aber auch bereits bekannte Firmen aus ganz anderen Fachgebieten, die mit neuen Produkten eine Brücke schlagen zwischen Basteln und Handarbeit.

So kam zum Beispiel der Farbenhersteller Marabu zur Messe, um vor Ort zu zeigen wie man mit Stoffspray auch Gestricktes aus Baumwolle trendig aufarbeiten kann. Im Bild zeigt Marianne Zender von Marabu ihren interessierten Zuhörer die Anwendung von Fashionspray. Somit beschränkt sich die Verarbeitung von Garn und Stoff nicht „nur“ auf das Erstellen eines Werkstücks, sondern kann durch weitere Bearbeitung verändert und verbessert werden. Weitere Firmen boten Materialien an, mit denen man Stoff und Garn manipulieren kann. Wir werden einige davon für euch testen und dann berichten.

Darunter im Bild als kleine Anekdote die „Selbstbedienung“ eines Garnherstellers, eine lobenswerte Idee, mit der jedem Besucher der Messebesuch versüßt werden kann.

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Zum Schluss möchte ich für meinen Bericht noch einmal ganz zum Anfang der Messe gehen: Schon nach dem Einlass bot sich mir ein völlig anderes Bild als in den Vorjahren. Bereits 2015 hatte die Messeleitung die Hallen umgestaltet. Dieses Jahr sind die Stände nicht nur erneut innerhalb der Messe Deutz umgezogen, sondern auch stark erweitert worden. Handarbeiten boomt und somit auch die Branche. Letztes Jahr haben wir euch berichtet, dass Häkeln in 2014 einen enormen Zulauf erhalten hatte. In 2015 hat das Nähhobby diesen Megatrend sogar noch überholt.

Hier die Daten (Quelle koelmesse):

An der h+h cologne 2016 beteiligten sich 399 Unternehmen (2015: 379) aus 43 Ländern (2015: 43), davon 70 Prozent (2014: 68%) aus dem Ausland. Schätzungen für den letzten Messetag einbezogen, kamen zur h+h cologne 2016 rund 14.800 Fachbesucher (2015: 14.751) aus 68 Ländern (2015: 67), davon 37 Prozent (2015: 30%) aus dem Ausland.

Wie ihr sehen könnt, kamen 20 neue Aussteller und nur wenig mehr Fachbesucher. Doch vor Ort wirkte das Angebot deutlich vielseitiger, die Stimmung war gut bis erwartungsvoll. Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre hat seinen Zenit noch lange nicht erreicht.

Was sagt das uns, dem Endverbraucher? Wer gern handarbeitet, strickt, häkelt, näht oder einem der anderen Hobbies mit Stoff und Wolle frönt, für den herrschen goldene Zeiten. Nie war das Angebot vielseitiger, innovativer und das alles ohne den Mief, der dem Hobby lange Zeit anhaftete. Die Jugend hat DIY und Handarbeiten entdeckt. Die Alten tun es sowieso. Neue Handarbeitsgeschäfte wagen den Schritt in die Selbstständigkeit und die h&h ist der Zeiger an der Waage, in welche Richtung die Reise gehen soll.

 

Die nächste h&h findet vom 31.03. bis 02.04.2017 statt.

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Disclaimer:
Diesen Bericht schrieb Bärbel Born, Dagmer Jansen war vor Ort. Unser Messebesuch wurde durch Eintrittskarten von Karo und Streifen sowie der Firma Prym gesponsort. Der Artikel spiegelt unsere eigene Meinung wieder.