Hallo allerseits!

Wie das letzte Mal schon angekündigt, wollen wir uns heute mit verschiedenen Sorten von Gesso beschäftigen. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass ich am besten damit beginne, die Seiten meiner Art Journale mit Gesso zu grundieren, sofern ich kein Musterpapier oder ähnliches als Untergrund verwende. Das hat drei Vorteile: Ich benötige weniger Farbe, um die Seiten zu kolorieren, ich erhalte eine erste Struktur, und wenn ich Farbe wegwische oder Zierrat wieder abreiße, wird das Journal-Papier geschont.

5 Sorten Gesso im Test

5 Sorten Gesso im Test

„Gesso. Gesso. Yeso“ von Faber Castell

Zumeist verwende ich das feine weiße Gesso von Faber Castell. Ich sage ‚fein‘, weil es dünnflüssig ist und auch etwas teurer in der Anschaffung. Ich bin jedoch sehr zufrieden mit dem Produkt. Das Gesso kommt in einer praktischen Dose mit Schraubverschluss und lässt sich gut verarbeiten. Schon beim Auftragen ziehe ich mit dem Pinsel Muster in das feuchte Gesso: senkrechte oder waagerechte Linien, schwach oder stark gewellte Wellenlinien, oder ich tupfte mit den Borsten auf die Farbe.

Das Gesso von Faber Castell besitzt keine allzu große Deckkraft, lässt sich dafür aber verwenden, um Bilder abzutönen, wenn sie zu farbig und zu kontrastreich sind („Whitewash“-Technik). Ich kann das Gesso entweder direkt auftragen oder mit Wasser verdünnen, je nachdem, wie stark das Weiß abdecken soll.

Zu bunt – zu weiß

Zu bunt – zu weiß

Da dieses Gesso sehr dünnflüssig ist, lässt es sich nicht mit Schablonen verwenden; die Farbe quillt unter die Schablone und verändert den Abdruck. Es eignet sich jedoch gut, um weiße Farbspritzer auf den Seiten zu verteilen. Mit ein bisschen Wasser verdünnt und mit einem dicken oder dünnen Pinsel verspritzt, zaubert das Gesso wunderbare Sternenpunkte oder Luftblasen ins Bild.

Noch mal ein leichter Farbauftrag, und fertig.

Noch mal ein leichter Farbauftrag, und fertig.

„Studio acrylic medium Gesso“ von Creall

Die zweite Sorte von Gesso, die ich regelmäßig verwende, ist das „Studio acrylic medium Gesso“ von Creall. Ich hatte es das erste Mal bestellt, weil es spürbar preiswerter als das Faber Castell Produkt ist. Aber es hat auch etwas andere Eigenschaften: Creall Gesso ist dicker und satter im Auftrag. Ich verwende es, wenn ich sichtbare Strukturen erzeugen möchte, wie z.B. auf der Seite „King of my Castle“ (siehe letzter Beitrag) oder eine Art Höhlenwand (siehe „c wie cursum perficio“). Für letzteres habe ich einen Spatel verwendet und bewusst dicke Ränder stehen gelassen.

Dickflüssiges Gesso ergibt sichtbare Strukturen.

Dickflüssiges Gesso ergibt sichtbare Strukturen.

Wird das feuchte Gesso mit Hitze behandelt, z.B. mit dem Heattool, wirft es Blasen, die die Seite noch interessanter gestalten. Ich habe noch nicht ausprobiert, ob sich das Gesso mit einer Schablone verwenden lässt, glaube aber nicht, dass es gut funktionieren wird. Es sei denn, ich möchte bewusst einen verschwommen, verwischten Effekt erreichen.

"C wie Cursum perficio"

„C wie Cursum perficio“

„Acryl Gesso“ von Marabu

Für die Kreativtester habe ich drei weitere Sorten Gesso getestet, die ich noch nicht im Art Journal verwendet habe. Das erste ist „Acryl Gesso“ von Marabu. Von der Konsistenz her liegt es zwischen den Produkten von Faber Castell und Creall. Es lässt sich leicht aus der Tube drücken und gut auftragen. Mit dem Pinsel habe ich Wellenlinien gezogen und mit einem blauen Gelato-Stift sichtbar gemacht (2). Im unteren Drittel der linken Seite (3) habe ich Distress Ink mit dem Blending Tool aufgetragen. Rechts oben (4a) habe ich das Gesso mit einer Bienenwaben-Schablone verwendet und daneben (4b) einen Ghostprint gedruckt (also die Schablone umgedreht und auf das Papier gepresst). Im unteren Teil habe ich das gleiche mit der Schablone „Chickenwire“ gemacht, die ja quasi die Umkehrung der Bienenwaben ist. Da ich – superklug wie ich bin – weißes Gesso auf weißem Papier verwendet habe, habe ich die schablonierten Stellen mit Distress Ink eingefärbt. Die Stempeltinte ist in das unbehandelte Papier eingezogen und ließ sich mit einem feuchten Tuch vom Gesso gut wieder abwischen.

Testseite mit "Acryl Gesso" von Marabu

Testseite mit „Acryl Gesso“ von Marabu

Ob sich das Marabu Gesso gut mit Schablonen verwenden lässt, darf jetzt jede/r selbst entscheiden. Ich finde, der Ghostprint vom Chickenwire (5b) ist toll geworden, aber ich weiß nicht, ob ich den Effekt reproduzieren könnte.

Die beiden roten Flecke rechts in der Mitte sind rote Acryl-Farbe (6a) und die gleiche Farbe mit Gesso vermischt (6b). Ich wollte wissen, wie sich das Gesso auswirkt, und ja, es färbt das Rot in Richtung Pink/Rosa.

„Heavy Gesso Black“ von art basics

Auf die gleiche Art habe ich auch zwei Sorten schwarzes Gesso getestet. Das erste ist das „Heavy Gesso Black“ von art basics. Und ja, es ist sehr ’schwer‘. Die Dose wiegt schon schwer in der Hand, und das Gesso kommt als dicker, satter „Platsch“ aus der Dose. Da ist der Pinsel gleich voll zähflüssiger Farbe, deren Konsistenz mich an Handcreme erinnert. Das Gesso lässt sich gut verteilen, deckt zufrieden stellend und erzeugt sichtbare Strukturen.

Da die Gelato-Stifte Pigmentfarben sind, sind sie auf dem schwarzen Untergrund sichtbar (2), während Distress Ink (3) naturgemäß ‚verschwindet‘. Das Schablonieren geht recht gut (4/5), und mit dem Gesso lässt sich Acryl-Farbe auch abtönen.

Testseite mit "Heavy Gesso Black" von art basic

Testseite mit „Heavy Gesso Black“ von art basic

Ich glaube, das Wichtigste bei der Verwendung von Heavy Gesso ist, nur wenig Farbe auf den Pinsel aufzunehmen oder sie mit einem Spatel für die entsprechenden Effekte zu verwenden.

„Studio Black Gesso“ von Claudine Hellmuth, aus dem Hause Ranger

Als letztes möchte ich Euch das „Studio Black Gesso“ von Claudine Hellmuth aus dem Hause Ranger vorstellen. Die Farbe ist flüssig, hat aber irgendwie eine ‚trockene‘ Konsistenz. Sie lässt sich glatt verstreichen, so dass nur sehr feine, nahezu unsichtbare Strukturen entstehen. Und sie trocknet sehr, sehr schnell. Daher eignet sie sich am besten für das Arbeiten mit einer Schablone.

Testseite mit "Studio Black Gesso" von Claudine Hellmuth / Ranger

Testseite mit „Studio Black Gesso“ von Claudine Hellmuth / Ranger

Da aus dem Probefläschchen nur ein dünner Streifen Farbe kommt, fand ich das Einfärben der ganzen Seite sehr mühsam. Vermutlich geht es besser, wenn man die große Dose kauft und mit einem Pinsel arbeiten kann. Egal ob große oder kleine Tube, die Deckkraft ist auf alle Fälle überzeugend.

Fazit

Jedes Produkt hat seine Vor- und Nachteile. Ich bin glücklich mit meinen beiden Sorten von Faber Castell und Creall, aber auch die anderen Gesso-Sorten haben den Test bestanden. Letztlich hängt die Verwendung ja davon ab, was ich damit erreichen möchte, wobei auch hier gilt: Es gibt kein Falsch, alles wird schön und gut.

Liebe Grüße,

Eure Testerschwester Charlie

P.S.: Grundierungsfarbe aus dem Baumarkt wäre zwar die billigste Lösung, aber die Farbe ist zu grob für Papier und Pappe und von daher nicht zu empfehlen.

Diesen Artikel habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Ich habe weder kostenlose Produktproben erhalten noch sonstige Vorteile aus meinem Bericht gezogen. Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt nur meine persönliche Meinung und Erfahrungen wider. Charlotte Engmann