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Gelatos sind ganz weiche Künstlersttifte von Faber-Castell. Früher waren sie nur auf der anderen Seite des großen Teichs erhältlich. Inzwischen bekommt man sie im regulären Handel in Deutschland – und im firmeneigenen Webshop. Ich möchte im folgenden Beitrag ein wenig über meine Erfahrungen mit den Gelatos und den Gelmalstiften von Stylex Toppoint berichten, einem der vielen Konkurrenzprodukte, die inzwischen die Kreativlandschaft bereichern.  An den Gelatos Interessierte finden unter dem Stichwort eine Menge Berichte und Techniken im Internet zum Beispiel bei Youtube.

Daher nur kurz:  Gelatos haben eine cremige Konsistenz, sehen aus wie Lippenstifte und sind durch die breite Fläche und den weichen Auftrag gut auf größeren Flächen einsetzbar. Man kann sie mit dem Finger verwischen, mit Wasser vermalen und sogar zu einer dicken Farblösung aufweichen. Sie malen auf verschiedenen Untergründen und sollen sich, laut Packung, besonders auch für dunkles Papier eignen.  Die Minen sind 3,2 cm lang und haben einen Durchmesser von etwa 1 cm.
Für ein Set (50′s Diner) mit vier aufeinander abgestimmten Farben: Aqua Dolce (Hellblau), Sqid Ink (Dunkelgrau), Blood Orange (Hellrot), Banana (Gelb) einem Verwischer und einem Pinsel für die Spritztechnik habe ich zehn Euro bei einem mutigen Importeur bezahlt.

Die Gelmalstifte von Stylex gibt es im Sechserpack (Schwarz, Braun, Blau, Grün, Gelb, Rot,) bei Tedi. Der Preis liegt bei drei Euro, ohne weiteres Zubehör. Die Stifte sind viel größer und dicker, was für Kinderhände oder Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit der Finger ein Vorteil ist.  Die Minen sind 4,5 cm lang und haben einen Durchmesser von etwa 1 cm. Sie sind damit also tatsächlich wenig länger als die Gelatos.  Außer dass sie malen können und sehr farbintensiv sind, wirbt die Firma mit keinen anderen Einsatzmöglichkeiten.  Auf der Packung ist allerdings ein Männchen mit Pinselkopf zu sehen, ob das vielleicht noch etwas verraten sollte?
Beide Produkte wurden übrigens in China hergestellt.

Auf dunklem Papier
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Schwarzes Tonpapier

Ich habe zuerst drei sich halbwegs entsprechende Farbtöne (jeweils rot, blau und gelb) auf verschiedenem Tonpapier getestet.  Der Gelstift war beim Auftrag sogar noch ein bisschen weicher als der Gelato, aber auch ein wenig krümeliger.
Mit Wasser lassen sich beide vermalen, aber der Gelato löst sich quasi stufenlos auf, während der Gelmalstift (jedenfalls bei Rot) ein bisschen widerborstig erscheint.
Bei Blau allerdings ließ sich der günstigere Stift ebenso gut vermalen, und war auf dem schwarzen Papier sogar deckender als der hellblaue Gelato, was möglicherweise am Farbton liegt.

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Mittelbraunes Tonpapier
Auf dem braunen Papier wirkt das Gelmalstift-Gelb fast schon Orange. Beim Vermalen verschwand der Farbton beinahe komplett.  Das Gelato-Gelb hingegen war kontrastreich und verteilte sich gut.

Kolorieren

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(Osterei, Kaleidoskop Motivstempel)

Auf einer einfachen Karteikarte (Herlitz) habe ich nun zwei Stempelabdrücke (Tinte: Aquamarin von Stampin’ Up) »trocken« koloriert:  jeweils der gelbe Farbton mit Hellrot (Gelato) bzw Braun (Gelmalstift).
Auch hier lief der Gelmalstift ein bisschen weicher und ließ sich leicht verwischen, so dass das Ei sehr gut zu schattieren war. Beim anderen Ei (Gelato) kommt dafür der Kontrast etwas stärker zum Tragen und es wirkt dadurch plastischer.

Hintergründe

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Hier habe ich die Gelmalstifte für einen Hintergrund etwas großflächiger aufgetragen (180 g Zeichenpapier/Brunnen) und dann kräftig mit Wasser vermalt. Wie man hier sehen kann, lassen die Stylex-Stifte sich durchaus mit dieser Technik verwenden, lösen sich aber, wie bereits bemerkt, nicht komplett auf, wie es die Gelatos tun.

Direkt auf den Stempel

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(Auster, Impression Obsession)

Weil mich vor allem die Stempel- und Maltechniken mit Wasser interessiert haben, habe ich nun beide Stifte direkt auf Stempel aufgetragen, mit Wasser besprüht und  gestempelt.  Der Auftrag ging bei beiden wunderbar leicht.
Während man den Gelmalstift für jeden Druck neu einstreichen musste, konnte ich mit dem Gelato gleich zwei Abdrücke stempeln. Nach kurzer Trockenzeit habe ich dann an der jeweils auf Höhe der Perle noch einmal mit dem Finger darüber gestrichen. Und hier muss ich leider feststellen, dass beide noch leicht schmieren. Wie man das erstellte Bild abschließend fixiert, konnte ich noch nicht herausfinden.

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(Gelmalstift, Farne, Blätter – LaBlanche)

Gelmalstift
Als ich diesen A6-Stempel direkt mit dem grünen Gelmalstift bestrichen habe, rieb sich etwa 1 Zentimeter der weichen Mine dabei ab. In die Blätter habe ich noch ein paar rote Kontraste gesetzt und alles mit einigen Sprühstößen benetzt. Der erste Abdruck (180 g Zeichenpapier/Brunnen) war leicht verwaschen aber sehr schön, weitere Abdrücke mit jeweils neuem Wasser brachten nur sehr verschwommene Bilder zu Stande, bei denen man das Motiv bloß noch ahnen konnte. Für Hintergründe sind sie aber brauchbar. Einen Großteil der Farbe habe ich dann vom Stempel abgewaschen – da sie aber vergleichsweise günstig ist, lässt sich das verschmerzen.
Dann habe ich das Gelmal-Blau direkt auf dem Stempel noch einmal mit einem flächigen Motiv ausprobiert und bekam ein schönes, leider etwas blasses »Bullauge« .

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(Gelmalstift Blau, Ring:  Flamingo Arts)

Gelatos

Mit einer anderen Farbe (Squid Ink), habe ich dann auch die Faber-Castells zum direkten Stempeln auf dem gleichen Ring-Motiv benutzt. Nach einigen Fehlversuchen kam schließlich ein brauchbarer Abdruck, den ich mit anderen Farben weiterbearbeitet habe.

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(Gelato:  Ring – Flamingo Arts,  Wasser: Twinkling H2O’s, Fische, Kaleidoskop:  Edding Fasermaler,  Bild nach einer Idee von Alex.).

Gel, Wasser  und Pinsel auf dem Papier

Einen zu verschwommenen Gelato-Abdruck auf Aquarellpapier, bei dem die Einzelheiten zugelaufen waren, habe ich noch einmal direkt mit dem grauen Gelato-Stift auf dem Papier übermalt. In einem weiteren Schritt bin den Ring dann noch einmal mit dem Pinsel nachgegangen. Und hier zeigte sich:  Gelato und Wassertankpinsel bilden ein dynamisches Duo.

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(Gelato:  Ring – Flamingo Arts, Wasser/Molch: Archival Ink Cobalt, Twinkling H2O’s, Blasen Aqua Dolce-Gelato)

Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich auch das Innere der Blase mit dem hellblauen Gelato ausgemalt habe, und auch noch ein weiteres Motiv in Angriff nahm, bei dem zwei Gelatos zum Einsatz kamen. Der Ring entstand übrigens mit der restlichen, angerührten Wasserfarbe und den Überresten des einmaligen Gelato-Auftrags.

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(Wrack, Kaleidoskop Motivstempel  Ring – Flamingo Arts:  Twinkling H2O’s, Wasser und Meeresboden:  Gelatos Aqua Dolce und Banana.)

Folgendes Vorgehen hat sich bewährt:  zuerst kamen große Flächen direkt mit dem Gelato, dann habe ich die Feinheiten mit dem Wassertankpinsel bis in die Ecken nachgezogen. Das Vermalen über Stempeltusche (hier Impress Camel) hat ebenfalls ohne Verwischen gut funktioniert.  Die Vivid-Tusche, die ich für das Schiff verwendete, verwischte allerdings leichter.

Auch der blaue Gelmalstift kam bei einem Schiffsmotiv noch zum Einsatz, wobei hier die nicht komplette Wasserlöslichkeit die Möglichkeit zu stärkeren Akzenten bietet:

 

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(Wrack, Kaleidoskop Motivstempel):  schwarzer, gelber und blauer Gelmalstift

Details bzw.  kleine Stempel

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(Nixe, Kaleidoskop Motivstempel)

Für zu feine Motive eignen sich beide Gelstifte nicht unbedingt, (obwohl man sie grundsätzlich recht gut in einzelnen Partien auf den Stempel auftragen kann).  Es sei denn, man legt Wert auf einen verwaschenen Effekt. Nicht jedes Experiment ist eben von Erfolg gekrönt. Aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel (vor allem beim Basteln).  Ich habe diese Gelstifte jedenfalls nicht das letzte Mal in den Fingern gehabt!

Und zum Abschluss noch einige Impressionen, die mit beiden Typen von Gelmalern entstanden.  (Stempel von Kaleisoskop, Flamingo Arts, Viva decor und Tschibo. )

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Diesen Artikel habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Ich habe weder kostenlose Produktproben erhalten noch sonstige Vorteile aus meinem Bericht gezogen.  Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt nur meine persönliche Meinung und Erfahrungen wider.   Linda Budinger